IGeL-Leistungen - Lohnt sich das Extra beim Arzt?

Lohnt sich das Extra beim Arzt?

Ob Ultraschall zur Vorsorge oder Vitamin-Check: In deutschen Arztpraxen werden häufig Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die die Krankenkasse nicht bezahlt. Doch sind diese Extras ihr Geld wert?

IGeL-Monitor: Meist fragwürdiger Nutzen

Ob eine Zusatzleistung sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal, aber sehr wohl wissenschaftlich beurteilen. Seit 2012 beurteilt der IGeL-Monitor den Nutzen und möglichen Schaden ausgewählter Leistungen. 

Bis Ende 2024 lag für 56 Leistungen eine Bewertung vor, mit ernüchterndem Ergebnis:

  • Keine einzige Leistung wurde als „positiv“ bewertet.
  • Die Mehrheit der getesteten Leistungen wurde als „unklar“ oder sogar „negativ“ eingestuft.
  • Nur wenige Angebote erhielten ein „tendenziell positiv“. 

Mit anderen Worten: Viele IGeL haben keinen nachgewiesenen Nutzen. Die Daten zeigen zudem: Nur jeder vierte Versicherte fühlte sich gut informiert, und zwei Drittel der Befragten glaubten fälschlich, es handele sich bei den Selbstzahler-Leistungen um medizinisch notwendige Untersuchungen. Diese Fehleinschätzung zeigt, wie wichtig unabhängige Informationen sind.

Kritisch bewertet wurden unter anderem:

  • Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung
  • Augeninnendruckmessung zur Glaukomvorsorge
  • PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

Diese Untersuchungen können unnötige Ängste oder Eingriffe auslösen, ohne die Sterblichkeit zu senken.

Was sind Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?

IGeL sind medizinische Leistungen, die nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen stehen. Wer sie haben möchte, muss die Kosten selbst tragen. Dazu zählen z. B. zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, spezielle Labortests, Reiseimpfungen, Atteste oder alternative Therapieverfahren. 

Gesetzlich gilt: Krankenkassen dürfen nur Maßnahmen übernehmen, die als ausreichend, zweckmäßig und notwendig anerkannt sind. Was darüber hinausgeht oder vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nicht als Kassenleistung vorgesehen ist, wird teils als IGeL verkauft. Eine einheitliche Liste gibt es nicht; Schätzungen zufolge existieren mehrere Hundert solcher Angebote. Laut aktuellem IGeL-Report geben gesetzlich Versicherte in Deutschland pro Jahr rund 2,4 Milliarden Euro dafür aus.

Gut informiert entscheiden: Tipps für Versicherte

Werden Ihnen in der Arztpraxis zusätzliche Untersuchungen gegen Privatrechnung angeboten, sollten Sie sich nicht unter Druck setzen lassen. IGeL sind in der Regel nicht dringend. Sie können also in Ruhe abwägen und gegebenenfalls auch Nein sagen. 

Ärzte sind verpflichtet, Sie vorher verständlich über Nutzen, Risiken und Kosten aufzuklären. Scheuen Sie sich nicht, kritische Fragen zu stellen: Warum empfiehlt der Arzt diese Leistung? Welche konkreten Vorteile kann ich erwarten? Welche Risiken oder Folgen sind möglich? Warum zahlt die Kasse das nicht? Und was passiert, wenn ich die Leistung nicht in Anspruch nehme?

Der IGeL-Monitor bietet kostenlos verständliche Evidenz-Bewertungen zu vielen Angeboten. Hier erfährt man schnell, ob eine bestimmte Leistung als nützlich oder unnütz gilt und warum. Auch Verbraucherzentralen oder die Stiftung Unabhängige Patientenberatung (UPD) informieren neutral.

Zum Schluss gilt die Faustregel: Alles medizinisch Notwendige wird von der Kasse übernommen. IGeL können im Einzelfall sinnvoll sein, sind aber keine Pflicht. Wer sich vorab informiert und im Zweifel beraten lässt, schützt nicht nur seinen Geldbeutel, sondern auch seine Gesundheit vor unnötigen Eingriffen.

Ausnahmen: Wann ein Extra sinnvoll sein kann

Trotz dieser negativen Bilanz ist eine pauschale Verteufelung nicht angebracht. In bestimmten Fällen können IGeL durchaus nützlich sein. Etwa wenn sie auf persönliche Risiken oder Beschwerden zugeschnitten sind, für die es (noch) keine Kassenleistung gibt. 

Tatsächlich fand der IGeL-Monitor auch einige positive Beispiele: 

  • Akupunktur bei Migräne oder Rückenleiden
  • Lichttherapie gegen Winterdepression
  • Reiseimpfungen, die je nach Reiseziel medizinisch dringend angeraten sind

Weitere Informationen

Im Internet gibt es Angebote, die umfassend über IGeL informieren. Hervorzuheben ist der IGeL-Monitor, ein Angebot des Medizinischen Diensts Bund: Zur Bewertung von Individuellen Gesundheitsleistungen recherchiert ein Expertenteam in medizinischen Datenbanken, die entsprechende Fachliteratur zu dem Thema beinhalten.

Die Stiftung Unabhängige Patientenberatung (UPD) berät unter anderem zu rechtlichen Fragen und Patientenrechten. Auch die Verbraucherzentralen bieten mit ihrem Portal IGeL-Ärger eine Anlaufstelle für Beschwerden. Auf der Webseite finden sich außerdem umfassende Informationen zum Thema IGeL.

Mehr Informationen zu IgeL Leistungen

Veröffentlicht: 29.11.2025 - Aktualisiert: 15.12.2025