Bergwandern – mein erster 3.000er

Eine Wohltat für Körper und Seele

Wer regelmäßig in den Bergen wandert, trainiert Ausdauer und Trittsicherheit. Aber mehr als das: Die Bewegung und das Naturerlebnis schützen auch vor Stress, fördern Optimismus und das Selbstwirksamkeitsgefühl. In unserem Interview erklären die Experten Wolfgang Engelter und Walter Knapp vom Deutschen Alpenverein e. V. Sektion Weinheim, welche Vorteile Bergwandern hat und wie man es am besten angeht.

Herr Engelter, Herr Knapp, Sie versuchen andere Menschen vom Bergwandern zu überzeugen. Warum?

Wolfgang Engelter: Zunächst einmal ist es einfach ein tolles Erlebnis, auf dem Gipfel eines Berges zu stehen, den man aus eigener Kraft bestiegen hat. Das begeistert mich selbst immer wieder und diese Freude teile ich gerne mit anderen.

Walter Knapp: Genau, deshalb bin ich auch Mitglied beim DAV geworden. Außerdem sehen wir im Verein, wie gut Bergwandern den Menschen tut.

Auf welche Weise?

Walter Knapp: Wer regelmäßig Bergwanderungen unternimmt, trainiert den ganzen Körper: Nicht nur die Beine, sondern die meisten Muskelgruppen in Füßen und Beinen, Rumpf, Rücken und Armen. Man wird trittsicherer, was dann auch im Alltag Stürze und Unfälle verhindert. Das Herz-Kreislauf-System und die Atmung werden gestärkt, die Ausdauer gefördert. 

Aber ist Bergwandern nicht belastend für die Gelenke, vor allem das Bergabgehen?

Wolfgang Engelter: Nicht, wenn man es richtig macht. Dazu muss man seinen Trainingszustand richtig einschätzen und nur so lange bergab gehen, wie die Muskeln die Gelenke stützen können. Mit Training wird das immer besser. Auch Hilfsmittel wie zum Beispiel Wanderstöcke helfen dabei, übermäßige Belastung zu vermeiden. Durch die Bewegung bildet sich außerdem mehr Gelenkflüssigkeit, die wie ein Schmiermittel wirkt – im Endeffekt hilft regelmäßiges Wandern also den Knien und Fußgelenken. 

Walter Knapp: Ja. Auch die Knochendichte verbessert sich. Und wer regelmäßig wandert, nimmt ab, weil durch die Anstrengung Fett verbrannt wird und weil die gestärkten Muskeln auch im Ruhezustand mehr Kalorien verbrauchen.

Also hat Bergwandern positive Effekte auf den ganzen Körper.

Wolfgang Engelter: Ja. Außerdem ist es super für die psychische Gesundheit. Vor allem der Stress wird reduziert, weil man beim Bergwandern nur eine Herausforderung auf einmal angeht – und zwar eine, die man sich selbst aussucht. Die schöne Umgebung, das In-der-Natur-Sein haben eine heilsame Wirkung. Und natürlich das Erfolgserlebnis, wenn man auf dem Gipfel steht und weiß: Das habe ich aus eigener Kraft geschafft.

Walter Knapp: Das ist übrigens nicht nur unsere eigene Beobachtung, sondern wissenschaftlich erwiesen. Die Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport hat 2018 bis 2019 eine Forschungsstudie durchgeführt, in der die Effekte von regelmäßigem Bergwandern auf Stress untersucht wurden. Das Ergebnis: Bei der Wandergruppe haben Stress-Symptome und Stress-Erleben deutlich nachgelassen, Optimismus und Selbstwirksamkeit zugenommen. Bei der Kontrollgruppe sind diese Werte in den zwei Jahren im Wesentlichen gleichgeblieben.

Wolfgang Engelter: In dieser Untersuchung waren die Leute viermal im Jahr wandern. Manche vielleicht von sich aus noch zusätzlich, aber es gab vier geführte Wanderungen für die Studienteilnehmer, in jeder Jahreszeit eine. Was ich damit sagen will: Wandern hilft vor allem dann, wenn man es regelmäßig macht. Das muss nicht jedes Wochenende sein, aber mehr als nur alle Jubeljahre einmal.

Wie eigentlich bei jedem Sport. Ist Bergwandern also eher etwas für Erfahrene?

Wolfgang Engelter: Das kommt darauf an, was Sie sich vornehmen. Auch Unerfahrene und Unsportliche können Bergwandern. In dem Fall sollte man aber erst einmal mit kürzeren Wanderungen in nicht so exponierter Lage anfangen und sich hochtrainieren. Mit Unterstützung können sich auch Wanderneulinge innerhalb von einem halben bis einem Jahr so weit trainieren, dass sie einen 3000er besteigen können. Die Sektion Weinheim des DAV bietet einen solchen Kurs an. Dabei wird mit Kursabenden zur Ausrüstung, Wetterkunde, Erste Hilfe und so weiter, aber auch mit vorbereitenden Wanderungen und Übungen an unseren Klettersteigen und an der Kletterwand aufs Ziel hingearbeitet. Am Ende steht dann als Höhepunkt die 3000er-Besteigung.

Welche Ausrüstung braucht man denn fürs Bergwandern?

Wolfgang Engelter: Natürlich gute Wanderschuhe und ans Wetter angepasste Kleidung – am besten in Schichten, die man nach Bedarf an- und Ausziehen kann. Wanderstöcke je nach Höhenprofil und persönlicher Fitness. Je nach angepeilter Route und Jahreszeit sind vielleicht auch Grödel oder Steigeisen für Schnee- und Eisstrecken und/oder eine Kletterausrüstung für einzelne Kletterpassagen nötig.

Walter Knapp: Wanderkarte, Navigations-App, Informationen übers Wetter. Ein wenig Erste-Hilfe-Ausrüstung – und das Wissen, wie man sie anwendet und wie man im Notfall Hilfe ruft. Natürlich Proviant und Getränke. Für mehrtägige Wanderungen braucht man dann auch Übernachtungssachen. Ob die Hütte bewirtet ist und ob man einen Schlafsack mitbringen muss, kann man meist auf der Website der Hütte erfahren. In der Regel machen unerfahrene Wanderer eher den Fehler, zu viel als zu wenig einzupacken.

Und was kann man beim Wandern für seine Sicherheit tun?

Wolfgang Engelter: Man sollte im Hochgebirge immer in Gruppen wandern. Gute Planung und Ausrüstung ist wichtig. Die Wettervorhersage beachten, Zeitpuffer einplanen, die eigenen Kräfte realistisch einschätzen und im Zweifelsfall lieber umdrehen. Ein Handy dabeihaben und ungefähr wissen, wo man Empfang hat. Wenn man diese Sicherheitsmaßnahmen beachtet, ist Bergwandern ein sehr erfüllender und gesunder Sport.

Walter Knapp: Der DAV berät hier natürlich gerne, bietet geführte Touren und Kurse an.

Herr Engelter, Herr Knapp, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Weitere Informationen zum Thema Bergwandern finden Sie hier auf der Webseite des DAV.

Veröffentlicht: 14.12.2023 - Aktualisiert: 18.12.2023