Selbsttest: Eine Woche vegetarisch

Ein Erfahrungsbericht: Wie geht es mir damit?

Unsere Ernährung beeinflusst nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Umwelt — im Selbstversuch verzichte ich deshalb auf Fleisch.

Für einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz

Die Fleischproduktion ist eine große Belastung für das Klima – das ist kein Geheimnis. Für mich war das tatsächlich der ausschlaggebende Aspekt für mein Experiment. Außerdem berichten viele Menschen, wie gut ihnen die vegetarische Ernährung tut und wie sie dadurch mehr Energie haben. Das hat mich neugierig gemacht, es selbst einmal auszuprobieren und zu sehen, wie sich eine fleischlose Ernährung auf mich auswirkt. Daher habe ich eine Woche lang auf Fleisch verzichtet. In der Hoffnung, eine gesündere Ernährung zu erreichen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

1. Der erste Tag

Aller Anfang ist schwer: Eigentlich dachte ich, mein Fleischkonsum ist gar nicht so hoch – für mich muss es nicht jeden Tag ein Steak sein. Aber heute am Start der Fleischfrei-Challenge merke ich erst, wo es sich überall „untermogelt“: ein bisschen Schinken ins Rührei, Pute auf dem Salat, unterwegs ein belegtes Brötchen mit Salami. Irgendwie ist fast überall Fleisch dabei. Daher muss ich zum Einstieg doch mehr umstellen und von dem, was ich sonst esse, weglassen als ich dachte. Doch davon lasse ich mich nicht unterkriegen und suche im Internet nach hilfreichen Tipps für den Einstieg, Ideen und Rezepten, die vollkommen ohne Fleisch auskommen. Zum Abendessen probiere ich direkt ein vegetarisches Quiche-Rezept aus, das mir überraschend gut schmeckt.

Mein Tipp

Für jeden, der etwas Neues ausprobiert: Hilfe suchen.

„Für mich ist es super interessant zu beobachten, wie sich der Körper bereits nach wenigen Tagen an eine neue Ernährungsweise anpasst.“

2. Der zweite Tag

Die richtige Lebensmittelauswahl: Am zweiten Tag meiner Challenge gehe ich erst einmal einkaufen. Mir ist klar: So zu essen wie vorher und einfach das Fleisch weg zu lassen, funktioniert nicht. Nur von Gemüse und Nudeln werde ich nicht satt, da fehlt mir etwas. Daher decke ich mich im Supermarkt mit hochwertigen vegetarischen Lebensmitteln ein, die ich zuvor recherchiert hatte: Ein gutes Olivenöl, natürlich viel frisches Gemüse und Obst, Kartoffeln, Vollkornnudeln und Reis landen in meinem Einkaufswagen. Außerdem brauche ich eine Alternative zum tierischen Protein, denn das ist der Hauptgrund, warum ich nicht satt wurde.

Als pflanzliche Proteinquelle eignen sich Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen. Um es mir unterwegs leichter zu machen, packte ich mir ab sofort immer Obst, Nüsse oder Müsliriegel zum Snacken ein. Das Kochen selbst fällt mir nicht schwer. Allerdings habe ich – ich bin ja schließlich kein Anfänger – ein wenig Schwierigkeiten, richtig Geschmack in die Gerichte zu bringen. Doch als ich beginne, mehr mit Gewürzen, Kräutern und Soßen zu spielen, lässt sich daran einiges verbessern.

3. Der dritte Tag

Vielfalt der vegetarischen Ernährung entdecken: Vor der Challenge war eines meiner größten Bedenken, ob vegetarisches Essen nicht zu eintönig wird und mir vor allem das Deftige vom Fleisch fehlen wird. Die große Auswahl an vegetarischen Gerichten übersteigt meine Vorstellungen jedoch bei Weitem. Dadurch, dass ich mich zwangsläufig mehr mit Nahrungsmitteln und Proteinquellen auseinandersetzen muss, lerne ich viel Neues kennen, was vorher gar nicht auf meinem Speiseplan stand: Quinoa, Hirse und Couscous sind eine tolle Beilagen-Alternative und es überrascht mich, wie viele unterschiedliche Linsenarten mit jeweils eigenem Geschmack es gibt.

Einiges davon werde ich definitiv weiterhin in meinen Alltag integrieren. Heute habe ich mittags ein Curry mit Beluga-Linsen, frischem Brokkoli und dazu Vollkornreis gegessen. Abends gab es eine Süßkartoffel-Ingwer-Suppe mit selbstgebackenem Walnussbrot – sehr lecker!

4. Der vierte Tag

Gesundheitliche Veränderungen: Am vierten Tag spüre ich allmählich auch die körperlichen Auswirkungen auf meine veränderte Ernährung. Insgesamt bemerke ich tatsächlich wie erhofft, dass ich energiegeladener als sonst bin und meine Verdauung besser funktioniert. Das ist ein angenehmer Nebeneffekt davon, dass ich durch das viele Gemüse auch mehr Ballaststoffe zu mir nehme. Dazu kommt, dass man als Austausch der tierischen Proteine auf Hülsenfrüchte zurückgreift, die wiederum ebenfalls voller Ballaststoffe sind.

Anfangs muss sich der Darm erst einmal an die Umstellung gewöhnen, weshalb man insbesondere die Menge an Hülsenfrüchten langsam steigern sollte, um Verdauungsbeschwerden zu vermeiden. Insgesamt fühle ich mich irgendwie leichter und habe nicht wie sonst mit einem Nachmittagstief zu kämpfen. Für mich ist es super interessant zu beobachten, wie sich der Körper bereits nach wenigen Tagen an eine neue Ernährungsweise anpasst.

5. Der fünfte Tag

Auswärts vegetarisch essen: Heute werde ich einmal nicht selbst kochen, sondern gehe mit Freunden auswärts essen. Die vegetarische Auswahl beschränkt sich in vielen Restaurants auf Salat, Tomatensuppe, ein Pasta-Gericht mit Tomatensauce und bestenfalls noch einen Gemüseauflauf – nicht gerade kulinarische Highlights. Dagegen findet man in indischen und asiatischen Restaurants meist eine größere Auswahl. Hier wird viel mit Kokosmilch gekocht, was durch den Fettgehalt gut sättigt, Ingwer und frische Kräuter verleihen intensiven Geschmack.

Wir verbringen einen schönen Abend beim Inder, wo ich Matter Paneer, einen indischen Käse mit Kichererbsen und Spinat in einer würzigen Soße bestelle – unheimlich lecker! Übrigens sind die Reaktionen meiner Freunde auf mein Experiment überraschend positiv.

6. Der sechste Tag

Ersatzprodukte – muss das sein? In den vergangenen Jahren hat auch die Lebensmittelindustrie ihre Vorteile in der steigenden Anzahl an Vegetariern für sich entdeckt. Es gibt immer mehr Produkte wie pflanzliche Schnitzel, Soja-Hack und Aufschnitt aus Sonnenblumenkernen – um diese mittlerweile ziemlich große Zielgruppe anzusprechen.

Ich persönlich habe zwar als Teil meines Experiments ein paar davon ausprobiert und sowohl Gutes als auch Enttäuschungen dabei gehabt. Grundsätzlich versuche ich aber, auf möglichst unverarbeitete Lebensmitteln zurückzugreifen, die nach Möglichkeit regional angebaut werden. Schließlich geht es mir auch darum, meinen ökologischen Fußabdruck zu verbessern und es gibt eine so große Auswahl an Alternativen, dass ich bisher nichts vermisse. Alles in allem fühle ich mich nach dieser Woche sehr fit und vital – vegetarisch scheint mir also sehr gutzutun!

Fazit: War es das wert?

Ich muss gestehen, ich bin überrascht, wie leicht mir die Woche gefallen ist. Obwohl ich mich am Anfang noch etwas schwergetan habe, bin ich doch schneller in den vegetarischen Rhythmus gekommen als gedacht. Ich fühle mich nicht mehr so schlapp und ausgelaugt wie sonst nach einem langen Tag und habe auch keine Heißhunger-Attacken mehr – im Gegenteil: Ich habe die Woche über sogar abgenommen, obwohl meine Portionen eher größer waren!

Von den neuen Gerichten werde ich durchaus einiges beibehalten und einige Lebensmittel haben mich so überzeugt, dass sie einen festen Platz in meinem Speiseplan gefunden haben. Ich finde es toll, dass man seinen Fleischkonsum deutlich reduzieren kann und dabei sogar noch Neues dazugewinnt.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich auch ein mal herauszufordern und die vegetarische Ernährung einfach auszuprobieren – natürlich mit der richtigen Vorbereitung. Manchmal überrascht man sich selbst …

Veröffentlicht: 08.03.2023 - Aktualisiert: 10.04.2024