Durch die Krise zum Glück

Flo Angerts Weg zum nächsten Ironman

Update: Nachdem das Training auf den Ironman Hawaii ausgelegt war, welcher leider kurzfristig auf 2022 verschoben wurde, hat sich Flo dazu entschieden, am 16. Oktober 2021 beim Ironman Mallorca an den Start zu gehen.

Es ist der Traum eines jeden Triathleten: Die Teilnahme am Ironman Hawaii. Florian Angert hat die Qualifikation für das weltbekannte Sportevent geschafft. Wenn er nicht gerade den Kunden der BKK Freudenberg Trainings- und Ernährungstipps gibt, bereitet er sich aktuell akribisch auf den Wettkampf vor. Von seinem steinigen Weg zum Ironman berichtet er exklusiv im Interview.

Interview

mit dem deutschen Triathlon-Profi Florian Angert

Folgendes Interview entstand vor der Terminänderung.

Flo, du wirst dich am 9. Oktober mit den besten Triathleten der Welt messen. Was muss man tun, um am prestigeträchtigen Ironman Hawaii teilnehmen zu dürfen?

Der Veranstalter vergibt jedes Jahr von Anfang Oktober bis Ende August bei Rennen über die Langdistanz jeweils ein bis zwei Startplätze – sogenannte Slots – an weibliche und männliche Profi-Triathleten. Ich habe mich dank eines Sieges bei der Langdistanz in Barcelona im Oktober 2019 qualifiziert.

Was ist das Besondere an solchen Langdistanz-Rennen?

Ehrlicherweise ist es für Profi-Athleten „gar nicht einmal so schwer“, einen Ironman ins Ziel zu bringen – die Frage ist, in welcher Zeit. Es gibt nämlich Faktoren, die man nicht trainieren kann: Was passiert unterwegs? Ist der Körper am Tag X in Topform? Klappt die Ernährung im Rennen? Man ist acht Stunden mit sich selbst beschäftigt, hat mentale wie physische Höhen und Tiefen. In Barcelona hat zum Glück alles geklappt.

Wie bist du dann in deine Vorbereitung gestartet?

Erstmal mit einem Urlaub inklusive kurzer Trainingspause, um den Kopf freizukriegen. Mitte November 2019 habe ich wieder mit geregeltem Training angefangen. Und dann kam die Covid-19-Pandemie ...
Im März 2020 war ich noch in Spanien im Trainingslager, dann direkt im Lockdown. Im Mai waren alle Rennen abgesagt – auch der Ironman Hawaii wurde auf Oktober 2021 verschoben.

Wie hart hat dich das getroffen?

Fast alle Profi-Triathleten sind selbstständig, da brachen die Einnahmequellen über Wettkämpfe, Prämien oder Antrittsgelder komplett weg. Umso dankbarer war und bin ich, dass ich auf die Unterstützung meiner Sponsoren wie der BKK Freudenberg zählen konnte und weiterhin kann.

Das Training fiel sicher auch schwer oder?

Richtig. Die Sportstätten waren geschlossen – und ich hatte ein Motivationsloch. Sich Tag für Tag im Training zu quälen, bis zu 30 Stunden in der Woche, ohne ein festes absehbares Ziel in Form eines Wettkampfes im Blick … das ist schon hart. Da haben wir das Training umgestellt. Am wichtigsten war es aber, die Situation zu akzeptieren, das Beste daraus zu machen und die Kontinuität im Training beizubehalten, weil klar war, dass es ja irgendwann wieder weitergeht. Dennoch gab es Tage, an denen es mir leichter fiel als an anderen.

Wie bereitest du dich konkret auf Hawaii vor?

Eigentlich ändert sich nicht viel zu einer normalen Vorbereitung. Ich tausche mich eng mit meinem Trainer aus: Welche Wettkämpfe machen in der Vorbereitung Sinn? Habe ich Termine, an denen ich weniger oder gar nicht trainieren kann? Habe ich Belastungen gut verkraftet? Und so weiter.

Grundlegend trainiere ich jeden Tag, zwischen 20 und 30 Stunden pro Woche, 48 Wochen im Jahr. Häufig folgt dabei auf zwei bis drei Tage Belastungstage ein ruhigerer Entlastungstag.Bis sechs Wochen vor einem Wettkampf trainieren wir entweder ruhig im Grundlagenbereich oder sehr intensiv, um die Leistung auf lange Sicht zu steigern. Dann beginnt eine wettkampfspezifische Phase, in der wir die aufgebaute Form auf „Wettkampf-Pace trimmen“. Mein Körper lernt dabei, in einem bestimmten Tempobereich möglichst ökonomisch zu sein.

Welche Rolle spielt dabei Regeneration?

Physiotherapie, Dehnung, Yoga etc. sind extrem wichtig – am Ende zahlt sich Konstanz und Training ohne Verletzungen über viele Jahre aus! Generell lasse ich beim Physiotherapeuten immer die Beinmuskulatur lockern und versuche, durch Dehnung und Yoga zu Hause wieder Länge in die verkürzte Muskulatur zu bringen, speziell im Rücken, Po und den Beinen.

Und wie wichtig ist Ernährung?

Die optimale Ernährung gibt es nicht, die muss jeder für sich selbst herausfinden. Aber generell gilt: Man tankt ja einen Sportwagen auch nicht mit Billigbenzin! Ich esse grundsätzlich alles – nicht in Massen, aber in Maßen. Ein- bis zweimal die Woche ein gutes Stück Fleisch, ansonsten viel Obst, Gemüse, Reis, Kartoffeln etc. Bei intensiverem Training oder an heißen Tagen fühle ich mich besser, wenn ich eher leichtere Nahrung esse. In der Saisonpause, im Urlaub oder nach einem Wettkampf ist es aber dann auch der Burger mit Pommes oder eine Pizza, dazu ein Bier. Man darf sich ja auch einmal etwas gönnen.

Wie sehr freust du dich schon darauf, dich beim Ironman Hawaii „durchzuquälen“?

Sehr. Es ist spannend, sich mit den 50 besten Profi-Athleten der Welt zu messen. Und ein Wettkampf gibt immer ein geiles Gefühl! Das entlohnt für die lange Vorbereitung sowie für die Abstriche, die ich im Alltag bzw. im Leben teilweise machen muss. Bis Anfang 40 kann ich den Sport professionell ausüben, wenn alles gut läuft. Ich bin 29, insofern wird der erste Start bei der WM auf Hawaii dieses Jahr hoffentlich nicht mein letzter sein. Dennoch: Das erste Mal ist eben immer etwas ganz Besonderes!

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Veröffentlicht: 03.08.2021 - Aktualisiert: 10.06.2022